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Der Tod in unserem Leben

Die "Happy-Gesellschaft" der Kinder

Heute fehlt es immer mehr Kindern an der Erkenntnis, dass Krankheit, Schwäche, Alter, Trauer genauso zum Leben gehören wie Gesundheit, Stärke, Jugend, Freude. Dies liegt stark daran, dass unsere Kinder in einer überbehüteten, kontrastarmen, eindimensionalen Welt, einer sogenannten "Scheinwelt" aufwachsen. Nicht einmal mehr im engsten Familienkreis wird über das Thema Sterben und Tod gesprochen. Dies liegt wohl größtenteils an der Angst vor dem eigenen Tod, sowie an der Ungewissheit, die den Tod umgibt, und dem Streben nach Jugend und Gesundheit.
Da uns der Tod aber im Alter begegnet, versucht unsere Gesellschaft den Tod weitgehend auszulagern, indem immer mehr Alten- und Pflegeheime errichtet werden, wo die pflegebedürftigen Senioren ihre letzten Stunden alleine verbringen. Es ist daher kein Wunder, dass es unseren Kindern an praktischen Erfahrungen im Zusammenleben mit der älteren Generation fehlt. Sie können die natürlichen Alterungsprozesse nicht erleben und so nicht sehen, dass das Leben trotz Einschränkungen immer noch lebenswert ist, oder dass der Tod auch oft eine Erlösung von einer langen Krankheit sein kann. Vor fünfzig Jahren war es noch etwas ganz Normales, dass man zu Hause starb, dort noch einige Zeit aufgebahrt und von der Familie, Freunden, Bekannten verabschiedet wurde. Jeder wurde in diesen Prozess mit eingebunden und so galt dies als natürlicher Vorgang, welcher in keiner Weise tabuisiert wurde. Auch zu beobachten ist, dass sich unsere Sprache verändert hat, da heute gerne Umschreibungen, wie "er ist entschlafen", "sie ist von uns gegangen", verwendet werden um den Tod zu verschönern oder zu verschleiern.

Der Tod als Medienereignis

Doch obwohl wir heutzutage immer mehr versuchen, den Tod aus unserem Leben zu verbannen, finden wir ihn doch täglich in den Medien durch Berichte, Meldungen und Mitteilungen von Zugsunglücken, Terroranschlägen, Naturkatastrophen, Autounfällen uvm. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, sind wir abgestumpft, da Unglücke, die sich nicht

in unmittelbarer Nähe ereignen oder wo es nicht eine große Zahl Toter gibt, zu keiner direkten und persönlichen Auseinandersetzung führen. Ebenso schauen wir uns im Kino oder im Fernsehen Massaker, Horrorfilme oder Actionfilme an, wo es uns nicht sonderlich bekümmert, dass jemand stirbt, da dies sowieso "nur" die Bösen sind. Beerdigungen oder trauernde Angehörige, mit denen wir Mitleid haben könnten, gibt es in vielen Fällen nicht, da die Rolle des Schauspielers meist mit dem Tod endet. Immer moderner, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, wird auch das Morden am Computer, da man in diesem Fall nicht wirklich jemanden umbringt, sondern doch nur Punkte sammelt. "Kinder erlangen kein Wissen über das Sterben und den Tod, indem sie ihn täglich in den Medien erleben. Sie sind nicht in der Lage, zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden, erst recht nicht, wenn ihnen Begegnungen mit dem Tod in der Realität nicht ermöglicht werden." (Everding, Wie ist es tot zu sein?, 2005, S. 23)