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Wie Kinder den Tod verstehen

Das Todeskonzept

Nicht immer sind die Vorstellungen der Kinder, was den Tod betrifft, alterstypisch, da diese durch innere und äußere Einflüsse geprägt werden. Man muss bedenken, dass jedes Kind andere persönliche, direkte oder indirekte Erfahrungen macht und individuell geprägt ist durch Erziehung, Entwicklung, Gesellschaft, Religion und Kultur. Es ist wichtig zu verstehen, dass sich die bewussten oder unbewussten Bedeutungen der Begriffe „Leben“ und „Tod“ in einem langen Reifungsprozess entwickeln. Sie werden geprägt durch das Verhalten der Erwachsenen und der erlebten Beziehung während der realen Begegnung mit dem Tod. Die erworbenen Einstellungen der Kinder sind somit das Ergebnis von Lernprozessen, welche auf der Erfahrung des Todes anderer basieren. Somit ist es wichtig, den Kindern vorbereitend dieses Thema zu vermitteln und sie während ihrer Trauer einfühlsam zu begleiten. (vgl. Franz, Tabuthema Trauerarbeit, 2002, S. 60)

Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren

Selbst Kinder unter drei Jahren sind im Stande, Trauer zu empfinden. Allerdings sind die sprachlichen Mittel noch begrenzt und darum sind sie sehr stark auf den Erwachsenen angewiesen, der die Verlusterfahrungen für sie in Worte fasst. Die Kinder besitzen noch kein ausgeprägtes Zeitverständnis und darum können sie bereits eine relativ kurze Abwesenheit einer unmittelbaren Bezugsperson als Bedrohung empfinden.
Da ihnen die entsprechenden Worte nicht zur Verfügung stehen, schweigen sie, was den Erwachsenen annehmen lässt, dass der Verlust sie noch nicht berühre. Aber auch andere typische Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Weinen, Wut, Zorn, Angst oder Änderungen im Schlaf- oder Essverhalten, mit denen sie ihre Trauer ausdrücken wollen, werden oft nicht verstanden. Besonders sensibel reagieren Säuglinge und kleine Kinder auf Trauerempfindungen ihrer Bezugspersonen. Sie leiden dann mit ihren Mitmenschen mit, ohne zu verstehen warum. Für Kinder dieses frühen Alters sind Bilderbücher mit begleitendem Text, die Geschichten von Tieren oder Pflanzen erzählen, sehr hilfreich. Über Bilder und wenige Worte, die um das Lebensende und die Trauer kreisen, verstehen die Kinder auf der Symbolebene, was geschieht. (vgl. Ennulat, Kinder trauern anders, 2003, S. 20)

Das Vorschulkind zwischen drei und sechs Jahren

Die Kinder in diesem Alter können die Endgültigkeit des Todes gar nicht oder nur sehr schwer begreifen. Auf Grund ihrer Erfahrungen sind Leben und Tod für sie austauschbar. In ihrer Vorstellung kann der Tod jederzeit wieder rückgängig gemacht werden, da sie denken dass er zeitlich begrenzt ist. In der Gefühlswelt des Kindes hat der Tod die Bedeutung von Dunkelheit, Trennung, Weg-Sein oder Schlaf. Vielen Kindern macht es daher Angst, wenn sie jemanden schlafen sehen oder wenn jemand nicht rechtzeitig kommt. Auch glauben viele Kinder, dass man mehr oder weniger tot sein kann, was sich darin äußert, dass viele Kinder glauben, der Tote schläft und wacht wieder auf, oder er lebt unter der Erde weiter. Viele Kinder glauben, dass vorwiegend alte, kranke Menschen sterben, was ein Grund dafür ist, warum viele Kinder nicht älter werden wollen. Auch haben Kinder immer häufiger die

Vorstellung, dass der Tod durch Unfälle, Gewalteinwirkung, Verstümmelung, Übergriffe von Räubern und Monstern verursacht wird und ein Resultat zwischenmenschlicher Beziehungen ist. Sie schließen daraus, dass die bösen vor den guten Menschen sterben. Weshalb, ihrer Meinung nach, der Tod vermieden werden kann, indem man brav und lieb ist. Diese Angst lässt sich auf die Vermittlung durch die Medien oder auf Aussagen, wie: „Du bringst mich noch ins Grab!“ zurückführen. Dies und dass die Kinder sich als der Mittelpunkt der Welt sehen, überzeugt sie davon, dass sie die Umwelt mit ihren Gedanken und Taten beeinflussen können. Stirbt zum Beispiel eine Person, dem das Kind nichts Gutes gewünscht hat oder wo das Kind nicht brav war, dann entwickelt das Kind quälende Schuldgefühle, weil es sich dafür verantwortlich fühlt. Ein wichtiger Verarbeitungsprozess in diesem Alter ist es, wenn die Kinder tot spielen oder Situationen im Krankenhaus, bei Beerdigungen, bei Unfällen oder im Krieg nachspielen, da die Kinder sich selbst mit Situationen konfrontieren, die ihnen Angst machen. Diese Rollenspiele helfen ihnen, ihre Gefühle und Ängste zu verarbeiten und sie finden so mehr Selbstbewusstsein und erklären sich ihre Welt. (vgl. Franz, 2002, S. 72ff)

Das Schulkind zwischen sechs und zehn Jahren

Mit dem Schulalter beginnen sie den Unterschied von lebendig und tot und die Endgültigkeit des Todes zu verstehen. Dies ist ein Grund, warum sie die Bedeutung des Todes gefühlsmäßig stärker besetzen und die Gefühle intensiver erleben. Sie machen sich nun weitaus mehr Gedanken und vor allem auch Sorgen um den Tod nahe stehender Menschen oder Tiere. Deshalb tauchen in diesem Alter viele Ängste auf, die sich die Kinder um die Gesundheit ihrer Eltern und Angehörigen machen. Oft gibt es dafür keinen äußerlich erkennbaren Grund, außer vermehrt auftretende Träume über sterbende Familienmitglieder, da sie diese Vorstellung verarbeiten müssen. Auch versuchen sie nun den Tod verstehen zu können, weshalb sie ein großes Interesse an den Äußerlichkeiten des Todes entwickeln. In dieser Zeit gehen sie gerne auf Friedhöfe oder zu Beerdigungen und lassen sich gerne Geschichten, Erzählungen und Märchen über den Tod erzählen. Sie entwickeln nun unterschiedliche Ideen, was nach dem Tod ist und warum man stirbt. Das Kind beginnt nun auch, die Todesfälle in seiner Umgebung bewusst aufzunehmen und die Gründe zu erforschen. Es stellt Zusammenhänge her, entdeckt Gesetzmäßigkeiten von Ursache und Wirkung, leitet Schlussfolgerungen ab und interessiert sich für die Begleitumstände und Eigenschaften des Todes. Nun werden ihm auch die Risiken des Lebens bewusster und es erkennt, dass das eigene Leben auch endlich ist. Deshalb ist es in diesem Alter besonders wichtig, dem Kind die Todesursache zu nennen und diese auch zu erklären, sonst können Ängste um das eigene Leben eintreten. (vgl. Franz, 2002, S. 79ff)

Kinder und Jugendliche zwischen zehn und vierzehn Jahren

Kinder und Jugendliche in diesem Alter stellen sich vermehrt Fragen nach dem Sinn des Lebens. Diese tragen sie ungelöst mit sich herum und suchen unerbittlich nach Antworten. Ebenso spekulieren sie auch über ein Leben nach dem Tod. In dieser Zeit erleben sie intensive Trauerperioden, da ihnen nun bewusst ist, dass der Tod endgültig ist und sie selbst und auch niemand anderes etwas daran ändern kann. Ihre Trauer geht in dieser Zeit mit starken emotionalen Stimmungsschwankungen einher und sie äußern ihre Gefühle auf sehr unterschiedliche Weise, wie zum Beispiel mit Wut und Aggressivität, aber auch mit Rückzug und mit Verdrängen von Gefühlen. Auch geht das konkrete Erleben von Tod im nahen Umfeld oft mit körperlichen Symptomen wie Kopf- und Magenschmerzen sowie Schlafproblemen einher. (vgl. Ennulat, 2003, S. 21f)