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Was trauernde Kinder brauchen

Aufrichtige Gespräche

"Machen Kinder die Erfahrung, dass ihnen nichts verheimlicht oder vorgemacht wird und spüren sie emotionalen Halt, verkraften sie die traurige Wahrheit am besten." (Franz, 2002, S. 130)
Die Art und Weise, wie einem Kind die Mitteilung über den Tod eines Menschen oder eines Tieres gesagt wird, ist wesentlich für die Verarbeitung des Kindes. Wichtig ist, dass sich das Kind wohlfühlt und dass es ihm ehrlich mitgeteilt wird, damit es die Situation begreifen kann. Wichtig ist dabei, dass keine Umschreibungen verwendet werden. Die Kinder verstehen die Sprachbilder wörtlich, da ihre Abstraktionsfähigkeit noch nicht entwickelt ist. Kinder glauben, dass das, was sie gesagt bekommen, wirklich ist, was dazu führen kann, dass ein Kind abends nicht mehr schlafen möchte, weil Tod und Schlaf auf einmal dasselbe bedeutet. Auch ein Hass auf Gott kann sich entwickeln, als Folge der Aussage, dass der Verstorbene nun beim lieben Gott sei. Solche Umschreibungen machen Kindern Angst und darum sollte man Kindern ehrlich sagen, dass der Verstorbene tot ist und ihm erklären, was dies zu bedeuten hat. Wichtig ist dabei auch, dass Kinder die Todesursache wissen, damit sie keine Schuldgefühle oder grausamen Fantasien entwickeln können. Natürlich heißt das nicht, dass man dem Kind sämtliche Details erzählen muss, aber man sollte ihm alle Begebenheiten erzählen, auch wenn sie diese noch nicht vollständig verstehen können, da sie mit fortschreitendem Alter immer mehr begreifen werden. Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass ihnen nichts verheimlicht oder vorgemacht wird, verkraften sie den Verlust am ehesten. Bis der Verarbeitungsprozess vollständig abgeschlossen ist und selbst dann noch, braucht ein Kind immer wieder Menschen, die mit ihm sprechen, die seine Fragen beantworten und seine Ängste und Sorgen ernst nehmen. Dabei bestimmt das Kind den Zeitpunkt, die Richtung und das Tempo des Gespräches. Kinder sollten nicht zum Reden gezwungen werden. Es sollte ihnen aber Raum für Gespräche gegeben werden. Oft fällt es Kindern leichter, mit Handpuppen oder Kuscheltieren zu sprechen. (vgl. Franz, 2002, S. 129ff)

Abschied vom Verstorbenen

Viele vertreten den Standpunkt, dass Kinder einen Toten besser so "in Erinnerung behalten sollten, wie er zu Lebzeiten war". Dabei fällt es Kindern aber oft schwer, den Tod zu verstehen und zu akzeptieren, da sie die Tatsache des Todes verdrängen, oder der Tod zu einem rätselhaften Phänomen wird. "Der Anblick eines toten Menschen jedoch ist nur eines von unzähligen Bildern, die sich Kinder aus dem Leben eines geliebten Menschen (Tieres) einprägen." (Franz, 2002, S. 133) Es ist besonders wichtig, dass wir Kinder von diesen persönlichen (Lebens-) Erfahrungen nicht ausschließen, da diese später nicht mehr nachzuholen sind. Wir sollten sie viel mehr darin ermutigen und dabei unterstützen, den Toten noch einmal zu sehen und sich von ihm bewusst zu verabschieden. "Wenn sich Erwachsene vor dem Tod nicht grauen ... sondern ein natürliches Verhältnis zum Tod haben, ist es unwahrscheinlich, dass die Kinder sich vor dem Anblick des Toten fürchten ... dann ist die Erfahrung der Starrheit und Unbeweglichkeit, der Unerreichbarkeit und Unansprechbarkeit des Toten, seine Entfremdung im Anschein einer alten Vertrautheit und ganz besonders aber die Würde des Toten die größte Hilfe, die wir unseren Kindern angedeihen lassen können, um sie mit der Realität des Todes zu konfrontieren und eine Verleugnung und spätere Verdrängung auszuschließen." (M. Leist, 1979, S. 162; zit. nach Franz, 2002, S.133) Hat ein Kind einen geliebten Menschen verloren und diesen auch als toten Menschen erfahren, so weiß es nicht nur über seinen Verstand oder aus den Erzählungen anderer, dass dieser Mensch nun nicht mehr atmet, fühlt, spricht,... Es kann diese Realität auf sinnlicher Ebene wahrnehmen, wodurch der Tod für das Kind begreifbar wird. Damit sich Kinder aber in positiver Weise vom Verstorbenen verabschieden können, bedarf es einer einfühlsamen Vorbereitung und körperlich nahen Begleitung. Das Kind muss wissen, was es erwartet. Im Falle, dass der Tote infolge einer schweren Krankheit oder eines Unfalls entstellt ist, kann es allerdings auch zu einem Schockerlebnis kommen. Vor dieser Erfahrung muss ein Kind beschützt werden. Man sollte daher andere Möglichkeiten finden, um das Kind trotzdem aktiv miteinzubeziehen, beispielsweise beim Aussuchen des Sarges oder des Kranzes, der Grabbepflanzung,... (vgl. Franz, 2002, S. 133f)

Gemeinschaft und Rituale

"Der Tod ist eine Erfahrung, die grundsätzlich miteinander geteilt und von dem Bewusstsein getragen sein sollte, mit seinem Schmerz nicht alleine dazustehen." (Franz, 2002, S. 134) In einem Kreis Gleichgesinnter, zum Beispiel in einer Trauergemeinschaft, erwächst immer Kraft, Sicherheit, Orientiertheit und Zuversicht. Somit wird es für das Kind in der Geborgenheit vertrauter Menschen einfacher, das Leid zu ertragen, da es Zuspruch erfährt mit wortlosen Zeichen, im Weinen, im Schweigen, Umarmen und Füreinander-Da-Sein. Erwachsene sollten dabei ihren Gefühlen ehrlich gegenüber stehen.

Der Umgang mit dem Tod ist an gewisse Formen der Trauer gebunden, die sich in sozial und religiös vorgeformten Verhaltensweisen ausdrücken. "Rituale sind symbolische, szenisch-gestische Handlungen, klar strukturiert und daher wiederholbar. Sie werden von Menschen aus freien Stücken und bewußt vollzogen und treten als sozial geregelte Akte an die Stelle von Sprachlosigkeit, Handlungslosigkeit oder blinder Ausbrüche." (Martin Gerhard, 1997, vgl. nach Kast, Lebenskrisen werden Lebenschancen, 2000, S. 127) Heute fehlen allerdings unserer Gesellschaft und damit vielen Familien diese (be-)greifbaren Trauerformen, die Halt sowie Orientierung geben und einer Trauergemeinschaft einen tieferen Sinn verleihen. Gerade für Kinder haben diese Rituale aber eine besonders wichtige und heilsame Bedeutung, weshalb sie auch Verhaltensweisen entwickeln, die ihnen in dieser Situation gut tun. Beispielsweise zieht ein Kind die Kleider des Verstorbenen an, trägt immer ein Kuscheltier des Verstorbenen oder inszeniert Beerdigungen. Daher sollten Kinder auch unbedingt bestärkt werden, wenn sie von sich aus den Wunsch haben, an einem Begräbnis teilzunehmen. Zurückhaltende Kinder sollten ermutigt, allerdings auf keinen Fall gezwungen oder überredet werden. Das Wichtigste für die Teilnahme an einer Beerdigung ist die angemessene Vorbereitung, sowie eine einfühlsame Begleitung durch einen Erwachsenen, der sich völlig nach den Bedürfnissen des Kindes richtet. Diese Aufgabe sollte jemand übernehmen, der eine nahe Beziehung zum Kind und eine weniger enge zum Verstorbenen hat. Wichtig wäre es dabei auch, das Kind bereits im Vorfeld auf den Friedhof oder in die Kirche mitzunehmen und, dass rituelle Abläufe, Verhaltensweisen und Gefühlsäußerungen besprochen werden. Dem Kind sollte vermittelt werden, dass es seinen Gefühlen, auch während der Beerdigung, freien Lauf lassen und es nachfragen kann, wenn es etwas nicht versteht. Obwohl die einzelnen Rituale der Trauerfeier in ihrer vorgegebenen Abfolge feste Bezugspunkte sind, erlauben sie es dennoch, die Feier derart individuell zu gestalten, dass Kinder daran beteiligt werden. (vgl. Franz, 2002, S. 134ff)

Orte der Besinnung und Symbole der Erinnerung

"Insbesondere für Kinder ist es wichtig, genügend Zeit und Raum vorzufinden, damit sie sich mit ihrer Trauer an einen sicheren Ort zurück ziehen können und diese Gestalt annehmen können." (Franz, 2002, S.138) Beispielsweise ist das Grab, neben vielen anderen Orten, ein möglicher Platz dafür. Das Kind benötigt dazu entsprechende Handlungsspielräume, um diesen Ort der Trauer zu gestalten, damit seine Trauer eine persönliche Form bekommt. Gemeinsame Besuche am Grab können für das Kind zu einem heilenden Ritual werden. Mangelt es Kindern an solchen Orten, wissen sie zunächst nicht, wohin sie sich mit ihren traurigen Gefühlen wenden sollen. So kann es, wenn es die Trauer nicht ausdrücken, formen, bündeln und eingrenzen kann, zu einer Ruhe- und Orientierungslosigkeit kommen. In diesem Fall sollte man mit dem Kind gemeinsam eine kleine Gedenkstätte gestalten. Beispielsweise ein Tischchen oder ein Gartengrab mit Kerzen, Fotos, Blumen,... Zu einem späteren Zeitpunkt ist es völlig ausreichend, dem Wunsch des Kindes, nur noch zu besonderen Tagen auf den Friedhof zu gehen oder Kerzen anzuzünden, zu entsprechen. Dies kommt immer darauf an, wie intensiv ein Kind trauert. Manche Menschen werfen auch Kindern vor, sie würden nicht ordentlich trauern, wenn sie beispielsweise lieber mit Freunden spielen als auf den Friedhof zu gehen. Vielleicht helfen dem Kind aber gerade diese Gespräche mit Freunden um sich sicher, geborgen und akzeptiert zu fühlen. "Jedes Kind entwickelt individuelle Formen des Erinnerns, um die Verbindung zum Verstorbenen aufrechtzuerhalten. Nahezu alle Kinder fühlen sich durch "verbindende" und greifbare Erinnerungsstücke getröstet, weil ihnen diese Objekte helfen, sich an den Verstorbenen zu erinnern. Diese kleinen, oftmals winzigen oder unscheinbaren Kostbarkeiten werden zum lebendigen Symbol für die gemeinsam erlebte Beziehungserfahrung. Sie sind von unschätzbarem ideellen Wert, weshalb nicht sofort alles, was dem Verstorbenen gehörte, mit seiner Person assoziiert und seinem Leben in Verbindung gebracht werden könnte, verräumt werden sollte." (Franz, 2002, S.139) Besondere Verbundenheit mit dem Verstorbenen bleibt beim Durchblättern alter Fotoalben oder im Austausch gemeinsamer Erlebnisse. Möchte ein Kind nicht oder noch nicht über den Verstorbenen reden, sollte es nicht gedrängt, jedoch genau beobachtet werden, damit es seinen Schmerz nicht in sich "hineinfrisst".

Zeit und Raum

Trauernde Kinder benötigen unbedingt Zeit und Raum. Es hilft den Kindern daher nicht, wenn man versucht, sie abzulenken, oder versucht, zur Tagesordnung überzugehen, um ihre Trauer zu verkürzen oder ihnen die Trauer zu ersparen. Kinder sollen wissen und am eigenen Leib erfahren können, dass Trauer etwas ist, das Zeit braucht und dass man nicht einfach abschalten kann, wenn man nicht mehr daran denkt. Es ist wichtig, dass sie selbst bemerken, dass Trauer in den unterschiedlichsten Formen immer wieder zum Vorschein kommen kann und gelebt werden soll. Trauernde Kinder haben ein großes Bedürfnis nach Alltäglichkeit, weshalb sie unbedingt einen Ort brauchen, an dem nicht getrauert wird. Deshalb ist es gut, wenn das Kind regelmäßig den Kindergarten, eine Spielgruppe oder Freunde besucht, um einen Ort zu haben, an dem es unbelastet von der Schwere der Trauer seine Bedürfnisse ausleben kann, etwas Normalität erlebt, lustig, fröhlich und unbeschwert sein kann und so eine "Trauerpause" einlegen kann. Zu Hause kann es dies oft nicht, da es ein schlechtes Gewissen gegenüber den anderen Familienmitgliedern haben würde. (vgl. Fleck-Bohaumilitzky, 2003, S. 45f)

Kindgemäße Ausdrucksformen

"Das Sprechen über den Tod ist wichtig, die Unterstützung sollte jedoch nicht auf die sprachliche Ebene reduziert bleiben." (Franz, 2002, S. 155) Trauernde Kinder brauchen unbedingt Ausdrucksformen, die ihnen als Kind entsprechen. Im Malen, Kneten, Modellieren und Werken kann ein Kind seinen inneren Bedürfnissen nachgehen und ihnen einen individuellen Ausdruck verleihen. Dies hilft den Kindern, ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden und zu stabilisieren. Auch Rollenspiele mit Puppen und Kuscheltieren sind eine wichtige Ausdrucksform für Kinder. Sie bieten die Möglichkeit, das Erlebte nachzuspielen und zu verarbeiten. Rollenspiele sollten daher aufmerksam beobachtet, gefördert, vertieft und zum Anlass für weitere Gespräche verwendet werden. Ebenso können Kinder im freien Tanzen und Musizieren ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Viele Kreisspiele und Spiellieder deuten Abschiedsthemen und die damit verbundenen Gefühle sowie hoffnungsvolle Bilder und Symbole an. Alle Formen des Singens, Tanzens oder Musizierens haben befreiende, erleichternde Wirkung. Kinderbücher bieten ebenso eine gute Möglichkeit sich mit der Trauer auseinanderzusetzen. In vielen Büchern befinden sich oft verdichtete Lebenserfahrungen anderer Menschen, mit denen sich die Kinder identifizieren können. Auch bieten sie oft eine Hilfe für Gesprächsthemen, da sie das bislang Unbenannte in Wort und Bild fassen. (vgl. Franz, 2002, S. 155ff)