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Ein Todesfall in meiner Kindergruppe

Es versteht sich von selbst, dass ich einen Todesfall in der familiären Umgebung eines Kindes meiner Gruppe als Sozialpädagogin nicht einfach ignorieren und schnell zur gewohnten Tagesordnung übergehen kann. Im Mittelpunkt aller Überlegungen, was man nun tun kann, muss selbstverständlich das Kind stehen. Natürlich gibt es aber keine fertigen Rezepte, die mir sagen, wie ich mit der Situation umgehen muss, da jede Situation anders und einmalig ist. Wenn man sich aber mit dem Thema grundsätzlich auseinander gesetzt und es in sein Leben integriert hat, fällt es leichter, darauf zu reagieren.

Fragen, die ich mir als Sozialpädagogin stellen sollte

Es kann hilfreich sein, wenn man sich einer Liste mit Denkanstößen bedienen kann, um dem hinterbliebenen Kind möglichst wirksam zu helfen:

  • Von wem habe ich die Nachricht erfahren? Sollte ich mir die Nachricht bestätigen lassen?
  • Was löst die Nachricht in mir persönlich aus?
  • Wie nah stand der verstorbene Mensch dem Kind?
  • Wie verhalten sich die Eltern des Kindes in ihrer Trauer?
  • Bin ich für das Kind als Gesprächspartnerin geeignet? Wer kommt für das Kind noch als Gesprächspartner in Frage?
  • Was muss die Gruppe erfahren? Will das betroffene Kind überhaupt, dass ich mit der Gruppe rede, oder soll das betroffene Kind den anderen Kindern das Ereignis selbst erzählen?
  • Greife ich das Thema für die Gruppe sofort oder erst später auf?
  • Wie schaffe ich die Möglichkeit, mit dem Kind allein zu reden?
  • Welche organisatorischen Hilfen könnte ich der Familie anbieten?
  • Gibt es Medien, die das Kind unterstützen können?
  • Welche Möglichkeiten kann ich dem Kind schaffen, seine Trauer zu leben? Welche Rituale können wir gemeinsam entwickeln?
  • Wie kann ich dem Kind helfen, wieder in den Alltag hineinzufinden?

Hilfreiche Trauerrituale in der Gruppe

Rituale können uns bei der Bewältigung bestimmter Lebenssituationen helfen, indem sie uns eine Orientierung geben. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Kindern in ritualisierter Weise zu helfen, den Verlust zu verarbeiten und zu bewältigen. Es ist natürlich wichtig, auf das Alter, auf die geistige Entwicklung und die Individualität der Kinder zu achten.

Trauerkerze und Briefe

Als Sozialpädagogin erkundige ich mich zuerst bei dem betroffenen Kind, ob es die anderen Kinder wissen dürfen und wie sie es erfahren sollen. Vielen Kindern ist es lieber, wenn es die Sozialpädagogin den anderen Kindern mitteilt. Am besten, man setzt sich dann mit der Kindergruppe in einem Kreis auf und macht es sich gemütlich. Man könnte eine Kerze in die Mitte stellen und dann vom Tod dieses Menschen erzählen. Je nach dem, ob das betroffene Kind bereit dazu ist, können ihm die Kinder Fragen stellen, oder wenn es nicht dazu bereit ist, könnte die Sozialpädagogin die Fragen beantworten. Eine gute Möglichkeit wäre es, Papier, Stifte und Umschläge zur Verfügung zu stellen, damit die Kinder nun im Laufe des Tages oder in den nächsten Tagen ihre Anteilnahme, Gefühle oder ihre Erlebnisse aufmalen oder aufschreiben können. Auf diese Weise können die anderen Kinder dem betroffenen Kind zeigen, dass sie an seinem Kummer Anteil nehmen.

Gemeinsam gelesene Trosttexte

Eine gute Möglichkeit ist es, gemeinsam mit den Kindern, entweder selbst gemachte oder vorgegebene Trosttexte oder Bücher zu lesen. Im gemeinsamen Lesen verbirgt sich oft sehr viel Kraft und Trost.

Ein Erinnerungsort

Wenn ein Kind aus der Kindergruppe stirbt, sollte sein Platz nicht sofort wieder besetzt werden. Damit der Platz aber nicht zu leer ist, kann er mit Erinnerungsstücken an das Kind (Fotos, Kerzen, Blumen, Zeichnungen,...) geschmückt werden. Dies kann auch bei verstorbenen Verwandten eines Gruppenkindes vorgeschlagen werden. Das Kind sucht sich dann einen Platz im Gruppenraum aus, den es dann entweder alleine oder gemeinsam mit den anderen Kindern schmücken kann.

Zeit, für das Kind alleine

Da das Kind in der Zeit der Trauer eine besondere Zuwendung benötigt, könnte man dem Kind eine eigene „Kindersprechstunde“ zugestehen. In dieser Zeit kann es ganz alleine mit der Sozialpädagogin reden oder spielen. Dies sollte allerdings nur ein Angebot sein, da sich Kinder ihre Vertrauensperson immer selbst aussuchen.

Tänze

Im Tanz kann das Abschiednehmen stimmungsvoll zum Ausdruck gebracht werden, wenn die Kinder bereit sind, sich darauf einzustellen und den Tanz einzustudieren. Als Beispiel für einen Tanz möchte ich den Sonnentanz zur Musik von Johann Sebastian Bach anführen. Die Kinder stehen im Kreis und halten sich an den Händen.

  1. rechts zurück
  2. links zurück
  3. Wiegeschritt
  4. links an
  5. rechts ein Schritt zur Seite
  6. Wiederholung
(vgl. Gaisbacher, Mumm, 1999, S. 84)