sozialpaedagogin.at bietet eine Plattform zur gegenseitigen Information und Weiterbildung im Bereich der Sozialpädagogik.

 

Home
Themen
Aggression
Kommunikation im K..
Ist die Oma jetzt ..
Vorwort
Einleitung
Begriffsklärung
Der Tod in unsere..
Wie Kinder den To..
Wie Kinder auf de..
Was trauernde Kin..
Ein Todesfall in ..
Ideen für eine Pr..
Resümee
Literaturverzeich..
Anhang
Interview mit Ma..
Interview mit An..
Interview mit Ma..
Trauergruppen un..
Beratungsstellen
Fachliteratur
Praxis
Service
Forum
Index

 

Interview mit Angela Wippel

Landesleiterin von Rainbows - Für Kinder in stürmischen Zeiten

 

Was ist Rainbows im allgemeinen?

Rainbows hilft Kindern und Jugendlichen bei Trennung, Scheidung oder Tod naher Bezugspersonen. Die Kinder lernen, Trauer aufgrund von Trennungs- und Verlusterlebnissen mitzuteilen und zu verarbeiten, damit das Leben in der veränderten Familiensituation trotz der traumatischen Erfahrungen positiv gestaltet werden kann. Rainbows unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, Selbstvertrauen und Mut zu entwickeln oder auszubauen, die Möglichkeiten, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse in schwierigen Zeiten wahrzunehmen und kindgerecht auszudrücken.

Wie schauen Rainbows-Gruppen im allgemeinen aus?

Eine Gruppe besteht aus 4- 7 Kindern, die alle ca. im gleichen Alter sind. Vierzehn Gruppentreffen finden im Zeitraum eines halben Jahres statt und gliedern sich in zwei Blöcke. Nach dem 7. Treffen findet eine 2-4 wöchige Pause statt, damit die Kinder das Erlebte verarbeiten können. Jedes Treffen dauert eineinhalb Stunden. In den einzelnen Treffen werden jene Themen angesprochen, die notwendig für die Verarbeitung des Verlusterlebnisses sind. Jedes Treffen beginnt mit einem Anfangs- oder Begrüßungsritual. Die Gruppenstunden gliedern sich in drei Teile: Einstieg- Vertiefung- Ausklang. Jedes Treffen endet mit einem Abschiedsritual. Das erste Treffen ist eine Schnupperstunde und eine Kennenlernstunde und dann entscheiden Kinder, Jugendliche und Eltern, ob sie die Gruppe besuchen wollen. In der 2. Einheit geht es darum, unterschiedlichste Gefühle wahrzunehmen und diese auszudrücken. Im 3. Treffen steht die eigene „Trennungsgeschichte“ im Vordergrund. Die Kinder bekommen die Möglichkeit, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Hilfreich ist dabei, dass die Kinder sehen, dass sie nicht alleine sind, dass es Kinder gibt, die in einer vergleichbaren Situation sind. In den Treffen 4,5 und 6 werden Gefühle wie Wut, Aggression, Ängste, Schuldgefühle,... behandelt. Die Kinder lernen dabei die Gefühle zu erkennen, zu benennen, und einen Umgang damit zu entwickeln. Im 7. Treffen wird ein kleines Fest veranstaltet. Im 1. Treffen des 2. Blocks werden die verschiedenen Familienformen besprochen, die alle gleichwertig sind. Im 9. und 10. Treffen werden die neue Wohnsituation, neue Partnerschaften und verschiedenste Situationen methodisch durchgespielt. Im 11., 12. und 13. Treffen geht es um das Loslassen lernen und um die Zukunft, sowie individuelle Bewältigungsstrategien. Im 14. Treffen gibt es noch eine Reflektion über die gemeinsame Zeit, es werden Pläne für die Zukunft geschmiedet und es gibt wieder ein Abschiedsfest.

Wie schaut Rainbows-Begleitung bei Tod aus?

In diesem Fall gibt es die Gruppenbegleitung, wenn genug Kinder zusammenkommen und die Familienbegleitung, wo die Mitarbeiter in die Familie fahren. Momentan gibt es nur Familienbegleitung in Niederösterreich, da der Bedarf für Trauergruppen bei Tod zu gering ist. Die Mitarbeiter werden kontaktiert und machen sich dann mit den Eltern ganz konkret ein Gespräch aus. Die Mitarbeiter fahren dann in die Familie und führen ein Erstgespräch mit dem verbliebenen Elternteil und arbeiten dann in der Familie mit den Geschwistern. Die Mitarbeiterin arbeitet wieder konkret nach einem Konzept, was ähnlich ist, wie das bei Trennung eines Elternteils. Es läuft ebenso viel Gefühlsarbeit ab und es wird ebenso über Zukunftsperspektiven gesprochen. Konkret versucht man, dass die Kinder ihre Selbstsicherheit wiedererlangen, indem sie erfahren, dass das, was sie tun, oder wie sie trauern okay ist und dass es auch in Ordnung ist, dass sie weiterleben, auch wenn eine nahe Person verstorben ist. Weiters ist die Kommunikation ein wichtiger Punkt, damit die Kinder lernen, wie sie sich ausdrücken sollen, dass sie lernen, über ihre Gefühle zu reden,... Die Kinder sollen ebenso lernen, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, mit der Trauer und dem Tod einer nahen Bezugsperson fertig zu werden und dass es neue Chancen gibt, die sich für die Zukunft ergeben.

Wie lange werden die Kinder nach dem Tod einer Bezugsperson begleitet?

Auch in diesem Bereich haben wir wieder eine Struktur. Vorerst gibt es sieben Treffen mit eineinhalb Stunden und wenn die Mitarbeiterin dann sieht, dass sie nicht auskommt mit dieser Zeit, werden mit Absprache des Elternteils noch sieben Einheiten angehängt.

Wie hoch sind die Kosten? Wird die Trauerbegleitung von den Eltern selbst finanziert?

Die Teilnahmekosten für eine Rainbows- Gruppe betragen zwischen € 151,- und € 227,-. Für Geschwister und im begründeten Einzelfall gibt es Ermäßigungen. Die Kosten für eine Einzel- und Familienbegleitung liegen bei € 35,- pro Stunde. Zum Teil finanzieren die Eltern die Therapie selbst und zum Teil wird sie von den örtlichen Bezirkshauptmannschaften unterstützt. Außerdem haben wir 2000 € vom Land zur Verfügung, die wir an betroffene Familien weitergeben, die es sich nicht leisten können. Zumindest die ersten sieben Einheiten werden den meisten Familien von uns bezahlt.

Ist Rainbows eine bekannte Organisation? Nützen diese Einrichtung viele Eltern?

Unsere Ressourcen sind sehr begrenzt. Wir haben jedes Jahr fünfundzwanzig Gruppen in Niederösterreich, das sind zwischen 100 und 150 Kinder und das sprengt den Rahmen. Wir machen immer wieder Aussendungen an Kindergärten, Schulen, an alle Bezirkshauptmannschaften, Eltern- Kindzentren, soziale Einrichtungen,... und das deckt momentan das ab was wir leisten können. Wir müssen einfach immer schauen, was wir leisten können und mehr als 25 Gruppen sind nicht möglich.

Welche Ausbildung haben die Mitarbeiterinnen?

Die Mitarbeiterinnen sind Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Pädagogen, die noch eine zusätzliche Ausbildung in der Rainbows- Hauptstelle in Graz machen. Es ist eine sehr emotionale und aufreibende Arbeit und darum kommt es auch oft vor, dass Mitarbeiter aufhören, oder für einige Zeit eine Auszeit brauchen und dann kann man wieder in vielen Regionen keine Gruppen anbieten.

Wo befinden sich überall Rainbows-Stellen?

Rainbows gibt es in ganz Österreich, in Niederösterreich gibt es zwei Hauptstellen für den Osten und den Westen. Die Rainbows- Landestelle in Niederösterreich- West in St. Pölten untersteht der Diözese St. Pölten und bietet in fast allen Bezirken, ausgenommen dem nördlichen Waldviertel, Gruppen an.

Wie geht es den Kindern in den Gruppen?

Die Kinder merken, dass sie in den Gruppen eine Entlastung haben, da sie erleben dass es andere Kinder gibt, die sich in einer ähnlichen Situation haben. Außerdem merken sie, dass ihnen das Programm gut tut, und dass sie einiges aufarbeiten können. Wichtig für die Kinder ist auch, dass sie begleitet werden, von jemandem, der nicht involviert ist in ihre Geschichte, sondern völlig unvoreingenommen ist. Es wird in dieser Zeit sehr viel vertrauen wieder aufgebaut, sie lernen sich sprachlich auszudrücken, lernen Konfliktmöglichkeiten,... und dies durch Rollenspiele, Malen, Arbeiten mit Ton,...

Gibt es noch weitere Angebote, die trauernde Kinder bzw. auch ihre Eltern in Anspruch nehmen können?

Weiters gibt es auch noch Rainbows- Feriencamps in Oberösterreich, der Steiermark und in Tirol für Kinder im Alter von 8- 12 Jahren, die von Trennung oder Scheidung ihrer Eltern oder vom Tod eines Elternteils betroffen sind. Die Kinder haben dort die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen über ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle sprechen zu können. Begleitend zu den Kindergruppen gibt es für die Eltern Elterngespräche, wo sie sich gegenseitig kennenlernen und ihre Erfahrungen tauschen können. Weiters gibt es auch spezielle Informationsabende für Väter, damit sich Väter untereinander austauschen können und Informationen und Unterstützungen bezüglich der veränderten Situation erhalten.