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Ferienturnus der Wiener Jugenderholung in Vorderlengau

Praktikumsbericht von Klemens Hadraba (Bundesinstitut für Sozialpädagogik, Baden)

Arbeitgeber

Die Magistratsabteilung 11 in Wien ermöglicht jedes Jahr ca. 2.800 Kindern aus dem Ballungszentrum Wien Ferienaufenthalte in Salzburg, Niederösterreich und in der Steiermark für 2-3 Wochen. Weiters gibt es die Möglichkeit des Familienurlaubs bei dem die Eltern und deren Kinder gemeinsam in ein betreutes Urlaubsquartier fahren. Der Verein "Wiener Jugenderholung" hat die Aufgabe, gemeinsam mit den Regionalstellen des Amtes für Jugend und Familie - Soziale Arbeit mit Familien der Stadt Wien (MAG ELF), Erholungsaufenthalte für die Wiener Bevölkerung zu organisieren und durchzu-führen. Der Verein bietet Ferienturnusse für 5- bis 14jährige Kinder sowie vierzehntägige Urlaubs-aufenthalte für Familien mit (Klein)Kindern und geringem Einkommen an.

Beim Kinderurlaub während der Sommerferien können jährlich ca. 2.800 Wiener Kinder in attraktiven und kindgerechten Ferienquartieren innerhalb Österreichs mit verschiedensten Freizeit-programmen teilnehmen. Die Kosten für den Kinderurlaub richten sich nach dem Familieneinkommen (EUR 10.- bis 500.-). Für den Familienurlaub werden knapp 1.500 Plätze in durchwegs 3-Sterne-Quartieren (Steiermark, Salzburg, Oberösterreich) für Familien und Alleinerzieher/innen mit geringem Einkommen angeboten. Der Kostenbeitrag inkl. Vollpension und Fahrt beträgt EUR 150.-, Kinder fahren gratis mit.

Bewerbung

Der Leiter der WIJUG, Herr Alfred Zinner, kam zu uns ins BISOP Baden auf ein Praktikumsseminar und stellte das Konzept der Wiener Jugenderholung vor und vermittelte uns die grundlegenden Informationen über den Tagesablauf auf einem solchen Ferienlager.

Ich entschloss mich daraufhin, im Zuge dieser Institution mein Sommerpraktikum zu machen und meldete mich sogleich bei der WIJUG für ein Vorstellungsgespräch an. Als ich daraufhin ca. ein Monat später in das Büro der WIJUG (Lustkandlgasse 50, in Wien) kam, erhielt ich dort weitere Details auf was ich mich einlassen würde. Ich stimmte daraufhin zu und lies mir den Arbeitsvertrag erstellen, den ich dann wieder ein Monat später (Mai 06) unterzeichnete. Die dortige Mitarbeiterin, Frau Elfriede Hummel war sehr zuvorkommend und freundlich und war von Anfang an mit gutem Rat dabei. Drei Wochen vor Antritt des Ferienlagers fand die Betreuerschulung statt. Diese gliederte sich in folgende Bereiche (Stationenbetrieb):

  • Freizeitspiele im Freien und für drinnen
  • Aggressionsabbauende Aktionen: hier wurden verschiedene Spiele beschrieben, die zur Reduktion und Abbau von Aggression und Gewalt innerhalb des Gruppengefüges führen sollen.
  • Theoretischer Hintergrund: es wurden verhaltensauffällige Kinder (mittels eines TV- Ausschnittes aus „Die Supernannies“) und die Planungspraxis vorgestellt (wie füllt man ein Planungsblatt der WIJUG richtig aus, siehe unten)
  • rechtliche Grundlagen: Einzelheiten über Aufsichtspflicht, Haftungsbelangen und Jugendrecht wurden erläutert.
  • Konfliktlösungsstrategien: bei dieser Station waren wir aufgefordert, zu inszenierten Szenarien, geeignete Konsequenzen sowohl für das Kind als auch für den Betreuer zu erarbeiten.
  • Verwendung des Erste Hilfe-Rucksacks
Die Stationen wurden durchwegs von „Erfahrenen“ in den jeweiligen Bereichen geleitet und sie waren interessant, kurzweilig und auch unterhaltsam.

Kurz vor Antritt des Turnus fand dann noch ein Teamgespräch mit der Leitung und den Betreuern der jeweiligen Ferienlager statt (4 - 12 Betreuer in einem Team). Hierbei wurden die Einzelheiten zum Quartier und zur An- und Abreise besprochen und die Gruppeneinteilung vorgenommen.

Arbeitszeit

Die Turnuszeit war mit 26.07- 15.08. 2006 angesetzt und betrug somit die verpflichtenden drei Wochen Praxiszeit die vom Bundesinstitut für Sozialpädagogik gefordert werden. Der Turnusdienst war wie folgt gegliedert: 3-4 Tage Dienst (von 8.00- 21.00) und dann einen Tag frei. Zuzüglich kamen noch die Abendbesprechungen (22.00-23.00), Nacht- bzw. Frühdienste (von 23.00-3.00 bzw. von 5.00-7.30). Man kann also mit rund 45-50 Wochenstunden rechnen, wobei 45 bezahlt wurden und die Überstunden als Überstundenpauschale abgegolten wurden.

Bezahlung

Die Bezahlung war für ein Praktikum überaus gut, da ich in diesen besagten drei Wochen netto 850 € verdiente. Rechnet man dies jedoch auf die geleisteten Arbeitsstunden um, ist dies jedoch nicht allzu viel, da ich öfters mehr als 55 Wochenstunden absolvierte und die Überstunden ja nur als Pauschale abgegolten wurden.

Zielsetzung (Auftrag)

Der Pädagogische Auftrag der WIJUG gliederte sich im wesentlichen in vier Unterpunkte die es zu bewältigen galt.

Aufsichtspflicht: Der Betreuer ist während der gesamten Dienstzeit für das Wohl der Kinder verantwortlich und hat diese Verantwortung auch alleine zu tragen. Dies gestaltete sich vor allem in Konfliktsituationen besonders schwierig und musste dennoch immer bedacht werden!

Gruppe: Bei der WIJUG werden die Kinder/Jugendliche schon bei der Teamsitzung intern in verschiedene Gruppen eingeteilt: K1 (12-14Jahre, Burschen), K2 (8-10 Jahre), K3 (Burschen unter 8 Jahren), M1 (Mädchengruppe analog zu K1), M2, M3. Ich meldete mich für die älteste Burschengruppe, da ich mit Jugendlichen in diesem Alter allgemein eher gute Erfahrungen gemacht habe und ich gerne mit Älteren zusammenarbeite. Man leitete eine Gruppe von ca. 11 Kindern alleine und war somit an niemanden gebunden. Nach drei bis vier Tagen Dienst übernahm der so genannte „Springer“ die Gruppe damit ein freier Tag ermöglicht werden konnte. Die Zusammenarbeit mit dem „Springer“ war enorm wichtig, da Unstimmigkeiten zwischen den Betreuern natürlich sofort von den Jugendlichen ausgenutzt werden konnten. Martha (meine Springerin) und mir bereitete dies jedoch keine Schwierigkeiten, da wir sehr gut kooperierten. Insgesamt arbeiteten acht Betreuer und eine Pädagogische Leitung bei diesem Turnus und kümmerten sich um insgesamt mehr als 60 Kinder.

Programm: Es galt ein abwechslungsreiches und attraktives Programm zu gestalten, das sowohl für Schlechtwetter als auch für Sonnentage geeignet sein würde. Weiters war auch darauf zu achten, dass dieses Aktivitätenprogramm altersgerecht und ev. Verhaltensaufällig-keiten der Jugendlichen gerecht sein sollte (also keine allzu „riskanten“ Dinge, keine Aktivitäten die Aggressionen schüren könnten).

Dokumentation: etwaige Misshandlungsspuren oder Äußerungen über solche oder andere gravierende Verhaltensaufälligkeiten galt es zu dokumentieren und zu protokollieren und diese Berichte dann an die WIJUG- Zentrale zu senden, da mithilfe dieser Berichte mögliche Konsequenzen durch das Jugendamt gesetzt werden. Diese Berichte dienen den Sozialarbeitern auch dazu, ev. Diagnosen besser stellen zu können und therapeutische Maßnahmen setzen zu können (z.B. Interventionen, Psychotherapie,…..)

Um diese vier Punkte konkret erfüllen zu können war eine konsequente Auseinandersetzung mit dem möglichen Programm und eigenen sozialpädagogischen Kompetenzen unbedingt von Nöten.

Klientel

Struktur: Alle Burschen der Gruppe waren zwischen 11 und 13 Jahren alt und waren sich im vorhinein in der Regel nicht bekannt. Einzig und allein für ein Geschwisterpaar traf dies nicht zu. Es konnten schnell Freund- und auch Feindschaften geschlossen werden, die sich aber immer schnell änderten und wechseln konnten.

Anthropogene Gegebenheiten: Die Kinder wurden zumeist von den Eltern auf diese „Erholung“ geschickt, weil das Geld für einen anderen Urlaub entweder nicht vorhanden war oder nicht ausgegeben werden wollte (siehe oben bei „Arbeitgeber“). Somit kann gesagt werden, dass viele Jugendliche aus eher „schwächeren“ sozialen Schichten kommen und auch häufig eine schlechte Sozialisation hinter sich hatten. Aus diesem Umstand ergibt sich die hohe Dichte an Verhaltensauffälligkeiten und auch Störungen der Psyche (siehe „Probleme“)

Erziehungsberechtigte: wie so oft im Jugendwohlfahrtsbereich waren die Erfahrungen mit den Eltern und den anderen Erziehungsberechtigten als unterschiedlich einzuordnen. Manche interessierten sich für ihre Kinder und hielten regen Kontakt mir diesen, andere schienen gar nicht existent zu sein.

Planung

Es war unbedingt notwendig, sich ein geeignetes Programm zu überlegen um den Anforderungen der Jugendlichen gerecht werden zu können. Die Homepage der WIJUG bot zwar ein paar Basics zu dem Quartier, gab aber keine konkreten Aktivitäten vor, was mir sehr gut gefiel, da somit ein freies Arbeiten garantiert war.

Auszug aus den Internetinfos:

Kinderurlaub - Salzburg - Vorderlengau
Jugendgästehaus Vorderlengau
5754 Saalbach-Hinterglemm, Vorderlengau 233
Telefon: 06541/6434
members.aon.at/vorderlengau/
60 Kinder im Alter von 7 - 12 Jahren sind in 4- bis 6-Bett-Zimmern untergebracht. Das Jugendgästehaus liegt direkt beim Talschluss von Hinterglemm in einer idyllischen Gegend, umgeben von Wiesen, Wäldern und Bergen - daher ist Wandern auch ein Programmschwerpunkt.

Im Haus stehen die Speisesäle, ein Allzweckraum mit Tischtennistisch und Tischfußball, sowie eine kleine Hütte für diverse Spiele und Freizeitaktivitäten zur Verfügung. Die Sportwiese mit Fußballtoren und Klettergerüst befindet sich vor dem Haus, ebenso wie ein gemauerter Grill, der für ein Abendessen im Freien genutzt werden kann. Auf der Bachspielwiese direkt neben der Saalach kann man Spiele aller Art oder auch ein Lagerfeuer veranstalten.

Der sehr gepflegten Bio-Bauernhof ist ein reiner Familienbetrieb und wird mit so viel Liebe und Sorgfalt geführt, dass man das Gefühl hat, zu Hause zu sein.

Es werden Kühe, Kälber und Schweine zur Milch- und Fleischproduktion gehalten. Von der guten Qualität der erzeugten Produkte können sich die Kinder selbst überzeugen - selbstgemachte Butter, frische Milch, Kakao und Joghurt stehen auf dem täglichen Speiseplan

Aktivitäten

  • Fußball
  • Tischtennis
  • Tischfußball
  • Wandern
  • Lagerfeuer
Ausflugsmöglichkeiten
  • Freibad in Saalbach und Thumersbach (Strandbad Zell am See)
  • Zwölferkogel, Schattberg, Almausflüge, Gondelfahrt
  • Tierpark Ferleiten (Luchse, Bären, Hirsche, Frettchen, Fischteich usw.)
  • Krimmler Wasserfälle
Mit diesen Vorlagen und weiteren Infos aus dem Internet bewaffnet, machte ich mich nun an die Arbeit, zunächst ein Schlechtwetterprogramm für mindestens drei Tage zu planen. Diese Planung entsprach zwar keinesfalls irgendwelchen Modellen, genügte für meinen Zweck jedoch, da mir klar war, dass ich sowieso noch eine Adaption vor Ort vornehmen musste, da ich die besonderen Bedürfnisse der Klienten ja noch nicht kannte und es mir dadurch unmöglich war, ein individuelles Programm zu erstellen. Weiters bestand die Forderung eine gruppenübergreifende Aktivität zu planen um auch den Austausch zwischen den Gruppen zu ermöglichen. Dieser erste Planungsversuch sah dann in etwa so aus:

Programm für Schlechtwetter

Vormittag Nachmittag Abend
Vorbereitungen für das Casino ?Dekoration Basteln, Jetons herstellen, Plakate herstellen, Musik auswählen, „Preise“ auswählen, Roulette basteln aus einem Plakat und einem Fußball, alle Spielregeln erklären, Jeton werden aus Alufolie und Karton hergestellt Materialien: Alufolie, Papier, Farben, Karton, Scheren, Klebstoff, Naschereien, Chips, Spiele, z.B. Mister Diamond, Dosenschießen, Würfelpoker, Black- Jack, Roulette (mit Fußball und Plakat), Mankomania Weitere Vorbereitungen, Casino Nachmittag, es können auch „Tätigkeiten“ wie der Tischdienst abgenommen werden, falls dies gewünscht ist, der Gewinner darf die nächste Aktivität auswählen Feedbackrunde
Essen der Naschereien
Tischtennisturnier
Materialien: Tischtennistisch, Schläger, Bälle
Zimmer säubern, Plakat für Ordentlichkeit malen Spielabend
Materialien: DKT, Mühle, UNO
Theaterspiele, ev. Konfliktspiele, rhythmische Spiele, „Band“ Sensibilisierung der Sinne Sketches proben, Sketches auswählen Geschichten auswählen, proben, weitere Proben, vorführen der Sketches Comics nach den Sketches zeichnen
Überlegungen zum Filmdreh/Fotoroman Drehbuch schreiben, Requisiten suchen, Verkleidungen basteln Materialien: Filmkamera, Requisiten, Fernseher, Laptop? Film drehen, Proben Gruselabend mit Gruselgeschichte und gruseligen Essen (kalte Nudeln) ev. KIM- Spiel
Gruppenspiele für drinnen Siehe Zettel Briefe schreiben an die Eltern „Activity“ mit Pantomime
Basteln eines Ballontuches aus Zeitungspapier, Ballonspiele Materialien: Ballone Basteln von Sandbildern Materialien: Sand, ev. Nudeln, Karton Videoabend Materialien: Video
Graffiti- Wettbewerb, wer malt das coolste Bild Mit Straßenkreide werden Straßenbilder gezeichnet und diese dann vorgezeigt Materialien: Straßenmalkreiden Kreativ Workshop mit Bändern, Briefe an die Eltern schreiben Materialien: Bänder, Karton Inselquiz
Es wird zuerst eine Geschichte von einem Gestrandeten erzählt und diese wird möglicherweise im Freien (auch bei Regen) erzählt, ? Plane zum unterstellen kann man selbst mit den Jugendlichen basteln, danach wird eine Liste von Gegenständen hergegeben, die das Überleben auf einer Insel ermöglichen sollen, anschließende Diskussion Materialien: Zeitungspapier, Robinsonade, Klebeband

Sonstiges Programm

Vormittag Nachmittag Abend
Malkreidenwettbewerb Materialien: Straßenmalkreiden Spaziergänge Feedbackrunde
Wandern Wandern Spielabend
Spiele für draußen, Avenue- Streets, Mäuschen- Spiel, Merkball, Wasserbombentennis, Abklatschen, Siehe Zettel Vorbereitungen für die Herzblatt-Disco, schreiben der Texte mit den Jugendlichen, Herze ausschneiden Herzblatt- Disco
Schwimmen Schwimmen Materialien: Wasserball, Taucherbrille, andere Bälle Spielabend
Schwimmen Schwimmen Sterneschauen
Einkaufen Freies Spiel Spielabend
Ganztagesausflug Ganztagesausflug  
  Lagerfeuer Vorbereiten, Grube ausheben, Holz sammeln, Steinring bauen, eventuell Teig für Stockerlbrot zubereiten Lagerfeuer
Fußball, Merkball Materialien; Fußball, Volleyball Volleyball Feedbackrunde
Quidditch Flummi, Volleyball Olympiade, Staffellauf, Scheibtruhenlauf, Weitsprung, Weitwurf, Luftballonwettlauf, Sprint, Eierlauf, Reise des Schamanen, Gruppenübergreifende Aktion Fackellauf Materialien: Fackeln
Fotoschnitzeljagd mit allgemeiner Schnitzeljagd, Fotos werden gemacht, die Jugendlichen müssen die Stelle ausfindig machen, auf einen Zettel schreiben und mir geben, Schnitzeljagd mit allgemeinen Fragen wird von mir geschrieben und jedem Team wird dieser gegeben Materialien: Laptop, ev. Preis, Fotokamera, Handykamera? Volleyball, Merkball, Handball, Boccia  

Das Wetter war in den drei Wochen nicht unbedingt als günstig zu beschreiben, da es fast 17 Tage regnete und ich gezwungen war, mein Schlechtwetterprogramm etwas auszuweiten, besser gesagt auszudehnen. Weiters ging ich mit den Kindern viel Spazieren („Wandern“) und ich nutzte auch die regionalen Ausflugmöglichkeiten (Tierpark Ferleiten, Hallenbad, Minigolf, Familienfest,….)

Herausforderungen des Turnus

Hohe Aggressionsbereitschaft seitens der Jugendlichen. Durch die „angelernten“ Verhaltensweisen aus den teilweise schlechten Sozialisationen der Kinder, schwierige Familiensituationen, Misshandlung etc. haben sich sehr aggressive Formen des Verhaltens entwickelt, die bei einer solch hohen Dichte von verhaltensaufälligen Jugendlichen besonders zu tragen kommen. Die Schwierigkeit für den Betreuer besteht nun darin, aggressives Verhalten abzudämpfen, Außenseiter zu integrieren und natürlich auch für die Sicherheit der Einzelnen Sorge zu tragen.

Dies kann sich jedoch besonders in der Freizeitgestaltung äußerst schwierig gestalten, da man seine Augen natürlich nicht immer überall haben kann und dies unter Umständen gefährlich werden kann (Straßensituation, …). Umso wichtiger ist es, Verhalten deshalb im vorhinein abschätzen und bewerten zu können um dies in der Planung einer Aktivität berücksichtigen zu können („Ist diese Situation unter bestimmten Umständen/Kinderkonstellation bedenklich?“).

Hohes Stundenausmaß. Als Betreuer der WIJUG hat man oft mehr als 50 Stunden/ Woche zu arbeiten. Die Arbeit mit den Kindern ist zeitaufwendig und anstrengend, da kaum Zeit für eine Pause bleibt und das mehr als 13-14 Stunden durchgehend. Es ist daher notwendig sich gut abgrenzen zu können und seinen freien Tag wirklich „frei“ zu haben und auch dem Springer seine Arbeit machen zu lassen.

Dokumentation. In meiner Burschengruppe alleine ergaben sich aus Gesprächen insgesamt fünf Missbrauchver-dächtigungen. Diese mussten von mir mittels Berichtsschreibung zum Jugendamt gemeldet werden. Diese Berichtsschreibung war nicht einfach, da sie einerseits natürlich so genau wie nur möglich sein sollte und andererseits keinesfalls auf Vermutungen basieren sollte, sondern allein auf die Äußerungen der Jugendlichen und den etwaigen tatsächlichen körperlichen Verletzungen und auch Verhaltens-aufälligkeiten.

Hohe Belastbarkeit. Diese Jugendlichen versuchen jederzeit ihre Grenzen neu auszuloten und es dem Betreuer nicht immer unbedingt leicht zu machen. Man muss für diese Tätigkeit in jedem Fall ein hohes Maß an Selbstwertgefühl haben um z.B. Beschimpfungen nicht allzu nah an sich herangehen zu lassen.

Endresümee

Dieses WIJUG-Praktikum ist jedem zu empfehlen, der die Arbeit mit Kindern erleben möchte. Für mich war dieses Sommerpraktikum das Beste von allen, da ich das erste Mal komplett alleine eine Gruppe leiten konnte und somit die „Früchte MEINER Arbeit“ ernten konnte.

Ich war von Beginn an streng aber gerecht um die Grenzen klar zu deklarieren. Somit konnte ich mich im Laufe des Ferienlagers vermehrt um die Probleme und Sorgen der Jugendlichen kümmern, da sich nach diesem „ersten Probieren“ ein kumpelhaftes aber respektvolles Verhältnis einstellte, das von großem pädagogischen Wert war.

Ich konnte viele erlebnispädagogische Dinge ausprobieren (siehe Programm), und bin von deren positiven Wirkungen auf das Gruppengefüge von nun an überzeugt, da es einfach zusammenschweißt, wenn man sich um „Schwächere“ z.B. bei einer Hüttenübernachtung kümmern musste um auf einer solchen Selbstversorgerhütte, die „Versorgung“ gewährleisten zu können. Jugendliche lernen somit schnell, dass ihre Aktionen auch Reaktionen bewirken und dass alle ihre Handlungen Konsequenzen hervorbringen können.

Trotz den vielen Herausforderungen kann ich die WIJUG wärmstens empfehlen, da mehr Praxiserfahrungen in drei Wochen kaum zu machen sind.

Viel Erfolg und viel Spaß wünscht euch,

Klemens Hadraba
(Bundesinstitut für Sozialpadagogik, Baden)