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Angemessene Selbstbehauptung

Herauszuheben sind aber jene positiven Aspekte der Aggression, die von  Franz  und Ulrike  Petermann als "angemessene Selbstbehauptung "bezeichnet werden (Petermann u. Petermann 1984, S.17). Ich stimme mit der Auffassung der Autoren überein, dass das Kind Verhaltensformen entwickeln muss, um seine Ziele und Interessen durchsetzen zu können, wobei es sich vorwiegend um akzeptable und angemessene Forderungen handelt wie:

Ausgleich von Rechten und Pflichten, Durchsetzung von für die Altersgruppe entsprechender Bedürfnisse in Familie und Freizeit, Wunsch nach eigenem Lebensbereich und Privatsphäre, Möglichkeit, seine Meinung, aber auch Kritik zu äußern, Ärger und Wut ausdrücken ,  u.v.m.

Oft erst durch diese Selbstbehauptungstendenzen wird es dem Kind möglich, eigene Wege zu gehen, sowie Selbstsicherheit und Selbständigkeit zu entwickeln. Würden diese Bestrebungen des Kindes verhindert oder durch entsprechende Maßnahmen verringert, hätte dies Unsicherheit und  darauf folgend eventuelle intensivere Aggressionsäußerungen zur Folge.

Der Unterschied zwischen positiven und negativen Formen besteht daher in erster Linie in der Intensität des Verhaltens. Selbstbehauptung bedeutet, dass das Kind aus einem breiten Repertoire von Verhaltensweisen auswählt, wobei sich die Absicht des Handelns am Schutz der eigenen Person orientiert. Diese angemessene Form der Aggression ist weiters dadurch gekennzeichnet, dass das Kind ein bestimmtes Verhalten unterlässt, wenn der subjektiv empfundene Schaden für das Gegenüber unverhältnismäßig groß auszufallen scheint.

Das Kind  sucht nun eher nach einem Weg, der weniger negative Folgen für den anderen mit sich bringt. An dieser Stelle muss hinzugefügt werden, dass die angemessene Selbstbehauptung durch Rollenspiele eingeübt werden kann (vgl. Petermann u. Petermann 1984, S.18/19).

Beobachten wir Kinder im Zusammensein mit ihren Bezugspersonen, fällt allerding auf, dass es im individuellen Beziehungsgeflecht immer auch unterschiedlichste Normen über angemessenes Verhalten gibt.  Dies bringt mit sich, dass es für das Kind mitunter schwierig ist, seine Verhaltensweisen auf das jeweilige System abzustimmen. Ist das Kind mit seiner Art der Selbstbehauptung innerhalb der Familie erfolgreich, bedeutet dies nicht gleichzeitig, dass das selbe Verhalten z.B. in der Schule als angemessen empfunden wird.

Die persönliche Entscheidung über den gelebten Erziehungsstil kann demnach beeinflusst und geprägt sein von Normen und Regeln des sozialen und gesellschaftlichen Umfelds. Gehen die Eltern aus Überzeugung einen anderen Weg, als vorgegeben erscheint, bringt dies unter Umständen eine Auffälligkeit des Kindes mit sich, da eine Abweichung von einer Norm vorliegt. Ursprünglich positiv wahrgenommenes  aggressives Verhalten wird in einem anderen System dann negativ bewertet und führt direkt zu einer Stigmatisierung des Kindes.