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Unterteilung der Aggressionsformen nach Nolting

In unserer Arbeit mit Kindern ist es wichtig, dass wir immer wieder unser Erzieherverhalten reflektieren. Beobachten wir, wie Kinder auf die Stimmlage reagieren, so wird dies einerseits soziokulturell und anthropogen  zu begründen sein, andererseits muss die Interaktionsebene beachtet werden. Als SozialpädagogIn habe ich die pädagogische Verantwortung, persönliche Anteile meines Verhaltens zu erkennen, wodurch sich die Notwendigkeit ergibt, sich  auch damit auseinanderzusetzen, wie ich auf andere wirke. Daher kommt der sprachlichen und mimisch-gestischen Ausdrucksform wesentliche Bedeutung im Praxisfeld zu.

Die Meinung, gewaltlose Erziehung bedeute ausschließlich das Fehlen von körperlicher Strafe, wird hier aus meiner Sicht von Nolting wiederlegt und ich möchte an dieser Stelle Rauchfleisch zitieren, der feststellt, "wenn wir uns dem Thema von dieser alltäglichen Seite her nähern, entdecken wir plötzlich, dass Gewalt keineswegs etwas ist, das immer nur die anderen angeht. Unversehens stehen wir der Tatsache gegenüber, dass wir selber, und zwar jeder von uns auf seine Weise nicht nur Opfer von Gewalt sind, sondern auch Täter" (Rauchfleisch 1996, S.8).

 

Körperliche Aggressionsformen

Schlagen, Kratzen, Beinstellen, Würgen, Schießen, Vergiften und viele andere

 

Sprachliche (verbale) Aggressionsformen:

Zum einen solche, die ihrem Inhalt nach aggressiv sind, wie Verleumden, Hetzen, Drohen, Lächerlichmachen usw., zum anderen solche, die sich durch einen eigenen Wortschatz auszeichen, wie Fluchen, Beschimpfen usw. (nach Kiener 1983). Im weiteren Sinne gehören zu verbalen Aggression auch Tonfall und Stimmlage (paraverbale Merkmale) wie z.B. Schreien,"harter" Unterton usw.

 

Mimisch-gestische Aggressionsformen (nichtverbaler Ausdruck):

Böse Blicke, Zähne fletschen, Zunge rausstrecken, drohenden Finger erheben u.a.m.

(Nolting 2000, S.31)

 

Die beiden letztgenannten Formen gewinnen vor allem dann an Bedeutung, wenn wir Erzieherverhalten kritisch beobachten. Als Reaktion auf Kommunikation und Mimik, die das Kind bedrohlich und belehrend erlebt und es in seinem Selbstwertgefühl verletzen, kann aggressives Verhalten erfolgen. Eine Untersuchung von Felson (Nolting 2000, S.137) gibt Hinweise darauf, wie aggressive Interaktionen anfangen: In etwa 90 % der verbalen und fast 70 % der gewalttätigen Auseinandersetzungen reagierte zunächst eine Person auf ein Verhalten, das sie als Verstoß gegen eine Norm oder Anweisung auffaßte.

Dadurch entstehen Eskalationsprozesse, zwischen den Beteiligten. Auf das störende Verhalten des Kindes erfolgt eine heftige Reaktion, das Kind verhält sich seinerseits ebenso. Kind und Erziehungsperson setzen sich gegenseitig mit ihren aversiven Reaktionen unter Druck.

Aggressives Verhalten ist immer auch ein Kommunikationsproblem, da es einen massiven negativen Beziehungsaspekt aussendet (vgl. Nolting 2000, S.141).

Um nochmals meine Auffassung der engen Verbindung zwischen Gewalt und Aggression aufzuzeigen,  stelle ich hier gezielt folgende Definition (siehe Seite 13) gegenüber:

Als Gewalt wird eine spezielle Art von Aggression bezeichnet.

Mit der Aggression gemeinsam ist das "zielgerichtete Austeilen schädigender Reize" (Lösel et.al.1990,  zit. nach Rauchfleisch 1996, S.12).

"Wobei es im Fall von Gewalt um ausgeübte oder glaubwürdig angedrohte physische und psychische Aggression geht, die sich in gezielter Weise gegen ein Objekt (Mensch oder Gegenstand) richten, ohne, wenn es sich um Menschen handelt, deren Bedürfnisse und deren Willen zu berücksichtigen."